Die Kriseneinrichtung Papatya


Die anonyme Kriseneinrichtung PAPATYA

Die Kriseneinrichtung PAPATYA ist eine Zufluchtswohnung mit einer geheimen Adresse. Mädchen und junge Frauen, die von Zuhause fliehen und von ihren Familien bedroht werden, finden dort Schutz und Hilfe. In 30 Jahren konnten über 1.800 Mädchen und junge Frauen in der Kriseneinrichtung leben.

PAPATYA hat Platz für bis zu acht Bewohnerinnen zwischen 13 und 21 Jahren. Sie werden von türkischen, kurdischen und deutschen Sozialpädagoginnen und einer Psychologin rund um die Uhr betreut. Der Aufenthalt in der Kriseneinrichtung ist lediglich vorübergehend. Ziel ist es, gemeinsam mit jeder Bewohnerin eine dauerhafte und sichere Lebensperspektive zu entwickeln.

Die Mädchen und jungen Frauen wohnen in Einzel-, Zweier und Dreierzimmern. Für Essen, Kosmetikartikel und das Nötigste an Kleidung ist gesorgt. Den Tagesablauf bei PAPATYA kann auf der Website der Kriseneinrichtung nachgelesen werden.



Kann ich zu PAPATYA kommen?

Ja, wenn du ein Mädchen oder eine junge Frau zwischen 13 und 21 Jahren bist und von deiner Familie bedroht wirst.

Eine Aufnahme in der Kriseneinrichtung kann sehr viele Gründe haben. Du kannst dich an PAPATYA wenden, wenn:

  • du von Zwangsheirat bedroht bist oder bereits heiraten musstest
  • dich deine Familie wegen der “Familienehre” bedroht
  • du unter Druck gesetzt wirst z.B. durch Kontrolle, Ausgangs- oder Schulverbote
  • du unter körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt leidest
  • du schwanger bist und es niemand wissen darf
  • du lesbisch bist und deine Familie deine sexuelle Orientierung nicht akzeptiert
  • du dich von deiner Familie ungeliebt, ausgegrenzt oder abgelehnt fühlst
  • du Angst hast, gegen deinen Willen ins Herkunftsland deiner Familie geschickt zu werden

Vor einer möglichen Aufnahme besprechen die Mitarbeiterinnen mit dir am Telefon deine Probleme und erklären dir die Regeln, die bei PAPATYA gelten. Wenn du noch minderjährig bist, muss dich das Jugendamt in Obhut nehmen, bevor du in die Kriseneinrichtung kommen kannst.


Wie geht es weiter, wenn ich bei PAPATYA bin?

Bei PAPATYA findest du Schutz vor Bedrohung und Verfolgung. In der sicheren Wohnung kann dich niemand finden und du kannst erstmal zur Ruhe kommen. Gemeinsam mit dir suchen die Mitarbeiterinnen von PAPATYA eine Lösung, die für dich und deine Lebenssituation passt. Dabei arbeit PAPATYA mit dem Jugendamt oder anderen zuständigen Behörden zusammen.

Die Lösung kann für jede Bewohnerin anders aussehen: Möglich ist eine Unterbringung in einer betreuten Wohngemeinschaft oder einzelbetreuten Wohnung. Auch die Rückkehr zu den Eltern oder anderen Familienmitgliedern ist denkbar, wenn du das möchtest. Manchmal ist ein Umzug in eine andere Stadt notwendig, um vor der Familie sicher zu sein.

In der Kriseneinrichtung bekommst du Beratung und Hilfe in allen Belangen rund um Gesundheit, Aufenthalt, Schule und Ausbildung. Wirst du weiterhin verfolgt, beraten die Mitarbeiterinnen dich zu Auskunftssperren und Anonymisierung.

 

Stimmen von ehemaligen Bewohnerinnen

Die Monate bei PAPATYA waren die hilfreichsten in meinem Leben. Am Anfang war ich schüchtern, doch hier wurde ich selbstbewusst und konnte meine anderen Seiten kennenlernen und zeigen.

Edita, 17 Jahre

Ich hab mich seit dem 1. Tag, als ich bei euch war, sofort wohl gefühlt, so als wär das mein 2. Zuhause, und so war das auch. Ich fühlte mich wie in einer richtigen Familie, die ich nie wirklich hatte. Ihr wart für mich da, als ich jemanden gebraucht hab.

Elif, 15 Jahre

Ich war insgesamt etwas über 2 Monate bei PAPATYA. Wenn ich sagen müsste, inwieweit ich mich verändert habe, würde ich sagen, dass ich stärker, geduldiger und freier geworden bin. Meine Hoffnung für die Zukunft ist, dass ich einmal das Frauenbild in meiner Kultur verändern kann. Bei PAPATYA habe ich gelernt, dass Frauen alles schaffen können!

Yasmin, 16 Jahre

Weitere Zitate von ehemaligen Bewohnerinnen findest du auf der Website der Kriseneinrichtung.